24 Jun 2017

Die neue schöne Welt der Agentur für Arbeit - Pilotprojekt Bremen

Hier meine persönliche und berufliche Stellungsnahme zum Bericht in der TAZ bezüglich des Pilotprojekts der Agentur für Arbeit Bremen. Mein Fazit dafür: es gibt Tage, an denen es für manche Politiker besser gewesen wäre, am Swimmingpool mit einem Drink einfach nichts zu tun.

So ein Tag war offensichtlich der Tag, an dem die Jobcenter Leiterin Frau Ahlers in Verbindung mit dem Agentur für Arbeit Chef Dietrich Scheele mit Deckung/Unterstützung von Andrea Nahles, ihres Zeichens Ministerin für Arbeit und Soziales sich dieses Projekt haben einfallen lassen.

Man muss schon sagen, gegen die menschliche Vernunft, gegen die guten Sitten - aber vor allem gegen das Menschenrecht auf SELBSTBESTIMMUNG.
Ja, da ist sie wieder "Die schöne neue Welt" des Aldous Huxley.

Um was geht es:

Da es in Bremen und Bremerhaven seit Jahrzehnten nicht gut um die Arbeitsplätze bestellt ist, ist wohl hinreichend bekannt. Dass viele der Langzeitarbeitslosen mangels Stellenangeboten durch die unsägliche Agenda 2010 von der Gesellschaft immer weiter abgehängt worden sind, sollte auch bekannt sein. Aber was sich nun besagte Personen, die eigentlich die Aufgabe haben, Jobs zu vermitteln, sich für ihr Pilotprojekt haben einfallen lassen, ist krass gesagt, aus meiner Sicht einer Zwangsarbeit gleichzusetzen.

So sollen Langzeitarbeitslose, die mehr als 4 Jahre bereits arbeitssuchend sind, missbraucht werden, um sie womöglich ziel-, plan- und wahllos kostenlos für Handlanger-Dienste in den Kommunen sowie in den von den Kommunen gebildeten Tochterfirmen abgestellt und für nicht bezahlte Arbeit, auch für die Verschönerung von Parkanlagen etc. eingesetzt werden.

Und das soll dann, laut Leiterin Frau Ahlers & Co. den Langzeitarbeitslosen "ihren Wert für unsere Gesellschaft" aufzeigen?

Wie bitte? Den Wert? Welchen Wert denn?

Hochgerechnet auf nur 150 Stunden Arbeitseinsatz im Monat bei 1 Person mit durchschnittlichen KDU Kosten von 280 Euro  zzgl. 60 Euro Heizkosten zzgl. Regelbedarf 409 Euro (Single o. Kind) = ergäbe sich dann ein theoretisch in Ansatz zu bringender Lohn von sage und schreibe bei 150 Stunden/Monat kostenloser Arbeit ein Bruttolohn von 5,06 Euro. Wenn man dazu noch die Hin- und Rückfahrten sowie den Verschleiß von Kleidung in Ansatz bringt, sind wir weit weg vom Mindestlohn von 8,59 € /Stunde.

Und diese Form, Arbeit gegen Geld, Unterkunft und Verpflegung soll dann den Kindern ein Vorbild sein? Welches Vorbild denn? Dass sich die Elltern trotz evtl. vorhandener Ausbildung vom Staat ausbeuten lassen sollen, wie die Kinder in Afrika? Und das soll den Kindern dann vor Augen führen, welchen Stellenwert die kostenlos zu erbringende Arbeit der Eltern unserer Gesellschaft wert ist?

Ganz abgesehen davon, dass es absolut menschenverachtend ist, hier noch die betroffenen Kinder erwerbsloser Eltern, die durch die Ausgestaltung der Hartz-IV-Gesetze selbst schon Opfer einer solch schrecklichen Politik sind, noch weiter vor Augen führt, dass aus einer solch politisch gewollten Abwärtsspirale selbst mit einer Beschäftigung dann kein Entrinnen mehr möglich ist.

Ich persönlich habe als Unternehmensberaterin einen ganz schlichten Vorschlag für die Politiker:

Machen Sie uns als Gesellschaft das doch mal vor, leben Sie selbst in "Kaninchenställen kleinster Wohnungen" und versuchen Sie selbst ein Jahr mit den SGB-Leistungen mit 2 Schulkindern durchzukommen. Und dann gehen Sie auch noch dafür kostenlos zur Arbeit. Ich stelle die These auf, dann kämen Sie nicht auf solche Schwachsinnsideen. Fokussieren Sie sich gefälligst auf den vom Gesetzgeber vorgebene eigene Arbeitsplatzbeschreibung und schaffen Sie anständig bezahlte Jobs für die Erwerbslosen. Denn dann - und nur dann, weiß jeder der im Hartz-IV-Zwangssystem gefangen ist, sich selbst und seinen Wert wieder zu schätzen. Und das  sind nicht nur Geld für Arbeit, sondern das gestärkte Selbstwertgefühl.

Ein Gefühl, was fast zwangsweise von manchen Job-Center-Mitarbeitern jedem Unglücklichen, der in das Hartz-IV-System fällt, von Beginn des ersten Tages der Antragstellung versucht wird, zu unterminieren. so nach dem Motto: Denn nur die willfährigen und gebrochenen Empfänger von SGB-Leistungen machen Job Center-Mitarbeitern keine Arbeit.

Mein Ratschlag an alle, die mit solchen schlechten und verächtlichen Vorschlägen unserer Politiker nicht mehr einverstanden sind, geht wählen und wählt diese Kaste der schlechtesten Politiker aller Zeiten endlich ab. Damit der Umschwung der Gesellschaft wieder unter menschenwürdigen Bedingungen ablaufen kann. Ich persönlich halte es mit Götz Werner, Gründer der Dm-Märkte.

Ich bin für das bedingungslose Grundeinkommen, das spart unter dem Strich jede Menge Job-Center Mitarbeiter ein, und spart Kosten für die unsäglich vielen gerichtsanhängigen Sozialklagen. Dieses Einsparpotential an enormen Aufwendungen für Gerichtskosten und unnötiger Kommunalverwaltung allein macht das bedingslose Grundeinkommen annähernd gegenfinanzierbar.

Das wäre einen politischen Gedanken wert gewesen. Dieser oben beschriebene Vorschlag jedoch ist das Papier nicht wert, auf dem es steht.

Mein Fazit:

Geht wählen und wählt die Vertreter solcher Vorschläge ab. Das ist der einzige Schutz vor dem weiteren irregulären Eingriff in unsere Grund- und Menschenrechte. Dieses Thema geht uns alle an.

Gastbeitrag von Anke Dobler von Dobler & Partner Unternehmensberatung

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M.Dobler

Wer anfängt mit mir zu spielen sollte darauf achten wenn ich einsteige! Denn wenn ich beginne mitzuspielen wird Dein Verlust höher sein als mein Einsatz! Und ich bin immer bereit einen Kollateralschaden einzugehen.

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