Ungeimpfte auf den Intensivstationen- Weitere Zahlentricks von RKI und DIVI?

vaccine-5779405_1280
Ungeimpfte auf den Intensivstationen- Weitere Zahlentricks von RKI und DIVI?

Mit großer Spannung erwartet, haben das RKI und der DIVI als Betreiber des Intensivregisters an diesem Donnerstag nun endlich den Impfstatus der Intensivpatienten im Rahmen einer gemeinsamen Presseerklärung bekannt gegeben.

Danach ist von 90% der 9.946 COVID-19-Intensivpatienten, also von 8.912, in dem Zeitraum vom 14.12.2021 bis zum 12.01.2022 der Impfstatus bekannt. 62% hiervon (5.521) waren ungeimpft.

Diese Mitteilung wurde natürlich in der Presse fleißig als Erfolgsmeldung für die Wirksamkeit der Covid-19-Impfstoffe verkauft. Die Gazetten überschlugen sich geradezu mit der Schlagzeile „Ungeimpfte machen Mehrheit der COVID-19-Fälle auf den Intensivstationen aus“.

Ungeachtet der durchaus berechtigten Frage, ob ein immer noch stattlicher Anteil der vollständig oder teilweise Geimpften – interessanterweise zählen laut Definition des DIVI Personen mit einer Dosis des Impfstoffes von J&J nicht als vollständig immunisiert – an den Intensivpatienten von 38% tatsächlich als Erfolg der Impfkampagne oder gar als Argument für eine beabsichtigte Impfpflicht zu werten ist, lohnt es sich jedenfalls, die präsentierten Zahlen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Denn eine Aussagekraft kann diesen Zahlen schließlich in dem gewünschten Kontext nur dann zukommen, wenn es sich bei den gemeldeten Intensivpatienten auch tatsächlich um solche handelt, die wegen einer Covid-19-Erkrankung intensivmedizinisch behandelt werden mussten.

Doch wie verhält es sich tatsächlich?

Erste Zweifel liefert bereits die den Meldungen zugrunde liegende Divi Intensiv-Register-Verordnung in der seit dem 13.11.2021 geltenden Fassung. Denn
§ 1 Absatz 3 dieser Verordnung bestimmt, dass Krankenhäuser die Anzahl von Patienten, differenziert unter anderem nach dem Impfstatus, mit einer SARS-Cov-2 Infektion übermitteln müssen.

Danach werden also offenbar sämtliche Infektionen, sprich positive Testergebnisse gemeldet, und zwar unabhängig davon, ob es sich um eine COVID-19-Erkrankung oder einen sogenannten Zufallsfund im Rahmen eines ganz anderen Aufnahmegrundes handelt.

Nun könnte man natürlich einwenden, dass dem Wortlaut der Verordnung bei den tatsächlichen Meldevorgängen keine tragende Bedeutung zukommt und die Krankenhäuser in der Realität nur und ausschließlich wegen einer Covid-19-Erkrankung erfolgte Aufnahmen auf den Intensivstationen übermitteln.

Dagegen spricht aber ein Vergleich mit dem Inhalt des aktuellen Wochenberichts des RKI vom 13.01.2021.

Auf Seite 25 dieses Berichts führt das RKI für die Zeit vom 13.12.2021 bis zum 12.01.2022, also für den fast identischen Zeitraum, insgesamt 1.006 auf Intensivstationen betreute symptomatische Covid-19-Fälle auf, von denen bekannt ist, dass sie entweder ungeimpft oder grundimmunisiert (ohne Auffrischungsimpfung) sind.

In einer weiteren Tabelle wird für den gleichen Zeitraum eine Zahl von 813 auf Intensivstationen betreuter symptomatischer Covid-19-Fälle angegeben, von denen bekannt ist, das sie entweder ungeimpft oder „geboostert“ sind.

Da in beiden Tabellen die Zahl der Ungeimpften gleichermaßen Berücksichtigung findet, kann die Gesamtzahl der intensivmedizinisch betreuten Covid-19-Fälle innerhalb des genannten Zeitraums nicht zuverlässig ermittelt werden.

Dennoch zeigt ein Vergleich dieser Zahlen mehr als deutlich, dass offenbar nur ein Bruchteil der von dem DIVI angegebenen COVID-19-Fälle auf den Intensivstationen tatsächlich wegen einer Covid-19-Erkrankung aufgenommen worden ist.

Anders ist die aufgezeigte erhebliche Differenz – wir sprechen hier für den Ermittlungszeitraum immerhin von maximal 1.819 (real ist die Zahl wegen der Doppelberücksichtigung Ungeimpfter niedriger) symptomatischer COVID-19-Fälle auf Intensivstationen laut RKI gegenüber 8.912 Covid-19-Fällen auf den Intensivstationen laut DIVI, jeweils mit bekanntem Impfstatus – wohl kaum zu erklären.

Auch ein kurzer Blick in den Wochenbericht des Landesuntersuchungsamtes Rheinland-Pfalz vom 13.01.2022 stützt letztendlich dieses Ergebnis.

In fast ungewohnt transparenter Weise schlüsselt das Amt seit einigen Monaten beispielsweise Hospitalisierungen danach auf, ob diese „nur“ mit einem positiven Testergebnis oder aufgrund einer Covid-19-Erkrankung erfolgt sind.

Auf Seite 7 des aktuellen Wochenberichts werden für das Land Rheinland-Pfalz in dem Zeitraum vom 01.01.2022 bis zum 12.01.2022 insgesamt 5 Fälle mit bekanntem Impfstatus ausgewiesen, die aufgrund einer COVID-19-Erkrankung auf einer Intensivstation aufgenommen werden mussten. Dagegen finden sich in den Zeitreihen des DIVI auf der Webseite www.intensivregister.de für dieses Bundesland in dem besagten Zeitraum insgesamt 84 Neuaufnahmen von Covid-19-Fällen auf der Intensivstation.

Dass von 79 dieser Intensivpatienten der Impfstatus nicht bekannt sein sollte, dürfte jedenfalls angesichts der Tatsache, dass laut der Pressemitteilung von 90% der Intensivpatienten der Impfstatus erhoben ist, kaum als taugliche Erklärung herhalten.

Insgesamt bestätigt sich leider zum wiederholten Male, dass weder das RKI noch der DIVI die Öffentlichkeit mit zuverlässigen Zahlen versorgen, diese gleichwohl von Politik und Medien ungeprüft als Grundlage erheblicher Grundrechtseingriffe und Diffamierung Ungeimpfter übernommen werden. Wieviele Patienten seit Pandemiebeginn tatsächlich wegen einer COVID-19-Erkrankung auf den Intensivstationen behandelt werden mussten, steht jedenfalls in den Sternen.

Dass diese stetigen Zahlenverwirrungen gerade in einer Zeit, in der sich die Bevölkerung einer der größten Bedrohungen ausgesetzt sieht, auf bloße „Schlampigkeit“ zurückzuführen sind, darf der Verfasser dieses Artikels guten Gewissens bezweifeln.

Gastbeitrag von RA. Raoul Romberg

Anke

Si vis pacem para bellum! -- Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor!



ÜBER UNS

Wollen Sie Ihren Fall / Problem mit Behörden, Firmen oder Anwälten mit anderen teilen? Setzen Sie sich gerne mit uns in Verbindung.


KONTAKT ZU UNS

RUFEN SIE UNS AN